Sich selbst kennen
Sicherheit im Flugbetrieb beginnt bei sich selbst.
Wie gut kenne ich mich wirklich im Umgang mit dem Fliegen?
Kann ich meine eigenen Stärken realistisch einschätzen – und erkenne ich auch meine Grenzen?
Sich selbst zu hinterfragen ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von reifer fliegerischer Kompetenz.
Wer weiss, was er gut kann, wo Übung nötig ist und wie er unter Stress reagiert, trifft bessere Entscheidungen, im Cockpit wie auch am Boden.
Proficiency: Fertigkeiten zu haben und sie abrufen zu können sind zwei verschiedene Dinge.
- Hohe Bedeutung von regelmässiger Übung (auch im Normalbetrieb)
- Kontinuierliches Training gegen Skill-Fading
- Persönliche Minima setzen: „Was fliege ich nur bei welchen Bedingungen?“
Proficiency heisst, das eigene Können auch unter wechselnden Bedingungen sicher einsetzen zu können gerade dann, wenn Abläufe nicht ideal sind.
Situational Awareness beschreibt die Fähigkeit, jederzeit ein klares und aktuelles Lagebild zu haben und dieses aktiv zu nutzen.
- Wahrnehmung: Was passiert gerade?
- Verständnis: Was bedeutet das für mich, mein Flugzeug und meinen Flug?
- Antizipation: Was wird als Nächstes passieren und was bedeutet das für meine Entscheidungen?
Situational Awareness beginnt bei der eigenen mentalen Kapazität:
Bin ich müde, gestresst oder überfordert? Habe ich genügend Reserven, um Komplexität, Zeitdruck und unerwartete Veränderungen sicher zu managen?
Wer sich selbst realistisch einschätzt, erkennt früh, wann Aufmerksamkeit nachlässt und kann rechtzeitig gegensteuern.
Beispiel 1: SEP Motorausfall nach dem Start
Kenne ich für mein Flugzeug und meinen Abflugplatz die Decision Height für eine geplante Umkehrkurve bei einem Motorausfall in absoluten Höhen (Feet AMSL)?
Oder habe ich im Briefing lediglich festgehalten „above 1000 ft“, ohne genau zu wissen, welche Höhe das effektiv über Grund bedeutet?
Habe ich mir diese Briefings wirklich verinnerlicht oder verlasse ich mich darauf, sie „im Moment dann schon abzurufen“?
Gerade in Stresssituationen zeigt sich, wie gut Vorbereitung und Selbstkenntnis tatsächlich sind.
Beispiel 2: Wetter persönlich einschätzen
Kenne ich die zu erwartenden Wetterbedingungen wirklich oder nur die Theorie dazu?
Bin ich in ähnlichen Wetterlagen bereits geflogen und weiss, wie sich diese in der Praxis anfühlen?
Neben der fachlichen meteorologischen Kompetenz ist die ehrliche Selbsteinschätzung entscheidend:
- Traue ich mir zu, diese Situation ruhig und strukturiert zu managen?
- Habe ich mentale und fliegerische Reserven, auch wenn sich die Bedingungen verschlechtern?
- Entspricht meine persönliche Komfortzone tatsächlich den technischen Limiten des Flugzeugs oder liegt sie deutlich darunter?
Ressourcen
- Buch: Redefining Airmanship, Tony Kern
- Buch: Flight Discipline, Tony Kern