Selbstreflexion
Selbstreflexion ist ein zentraler Bestandteil von gutem Airmanship.
Sie hilft, Stärken gezielt einzusetzen, Grenzen früh zu erkennen und Entscheidungen nicht dem Zufall zu überlassen. In der Aviatik bedeutet Lernen nicht nur Ausbildung, sondern lebenslanges Weiterentwickeln.
Gute Entscheidungen entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis von Selbstkenntnis, Disziplin und kontinuierlichem Lernen.
Diese Fragen sollen dabei helfen, das eigene Handeln bewusst zu reflektieren vor, während und nach dem Flug.
Persönlichkeit & Selbstwahrnehmung
- Wie beschreibe ich meinen Persönlichkeitstyp im Cockpit (eher vorsichtig, eher risikofreudig, leistungsorientiert)?
- Wie reagiere ich unter Stress, Zeitdruck oder bei unerwarteten Ereignissen?
- Kenne ich meine typischen Verhaltensmuster und wie beeinflussen sie meine Entscheidungen?
- Hole ich mir aktiv Feedback ein (z. B. von Fluglehrern, Kollegen, bei Checkflügen)?
- Wie ernst nehme ich Briefings, Checklisten und persönliche Mindestlimiten?
- Würde ich mein eigenes Verhalten als Vorbild für andere Piloten sehen?
Disziplin, Skills / Proficiency und Situational Awareness.
- Treffe ich Entscheidungen bewusst oder verlasse ich mich auf Gewohnheit oder Glück?
- Kann ich den Unterschied erkennen zwischen „es ist gut gegangen“ und „es war eine gute Entscheidung“?
- Welche Rolle spielen Erfahrung, Vorbereitung und Selbstkenntnis bei meinen Entscheidungen?
Typische Entscheidungsfallen
- Bleibe ich an einem Plan fest, obwohl sich die Situation verändert hat? (Plan-Continuation Bias)
- Überschätze ich meine Fähigkeiten oder meine Erfahrung? (Overconfidence)
- Spüre ich äusseren oder inneren Druck, einen Flug „durchzuziehen“? (External Pressure)
Die folgende Grafik illustriert Abweichungen von der idealen Lernkurve in der Luftfahrt. Während der „Mission Commander“ stagniert, sobald Teamvorgaben seine individuelle Arbeitsweise einschränken, sinkt die Kompetenz des „Good pilot gone bad“ durch zunehmende Selbstzufriedenheit unter das gesunde Mass. Das talentierte „Know-it-all“ zeigt anfangs einen steilen Wissenszuwachs, baut jedoch rapide ab, sobald weiteres Training vernachlässigt wird. Der „Casual“-Pilot erreicht das erforderliche Mindestniveau nur knapp und unterschreitet es durch mangelndes Engagement schnell wieder. Allen Profilen ist gemeinsam, dass sie den Anschluss an das wachsende verfügbare Wissen verlieren und ohne Intervention zum Sicherheitsrisiko werden.

Quelle: Ikon London Magazine, aus dem Artikel „Fixing Problem Pilots“ (https://www.ikonlondonmagazine.com/fixing-problem-pilots)